Samstag, 7. März 2009

Stempel für Raab

Heute kommt es zu einem Novum im Äter: Die Wok-WM von dem erfolgreichen Fernsehclown Stefan Raab wird als Dauerwerbesendung auf Sendung gehen. Das Berliner Landgericht hatte den vorangegangenen Shows mit dem Wok im Eiskanal Schleichwerbung bescheinigt. Der Sender ProSieben wäre also ein bedeutedes Risiko eingegangen, den richterlichen Beschluß zu ignorieren und einfach so weiterzumachen wie bisher. Gut, dass machen sie eigentlich nun auch, nur wird die Sendung mit dem Hinweis "Dauerwerbesendung" gekennzeichnet.

Diese Einblendung ist jedem schon mal vor die Augen gekommen, sei es tief in der Nacht bei den amerikanischen "ist das nicht uuunglaublich"-Werbesendungen oder bei Klassikern wie Glücksrad oder Der Preis ist heiß. Der Rundfunkstaatsvertrag schreibt diese Kennzeichnung für "Teleshoppingfenster" vor, wenn die redaktionelle Leistung einer Sendung "für den Absatz von Waren oder die Erbringung von Dienstleistungen" bestimmt ist. Die Wok-WM ist nun kein Teleshopping im klassischen Sinne, aber die Kennzeichnung ist für den Sender der einfache Weg zukünftige rechtliche Konsequenzen zu vermeiden.

Argumentativ sehen sich die Programmmacher aus Unterföhring natürlich unfair behandelt, schließlich sei dies eine Sportveranstaltung und auch als solche zu behandeln. Bei anderen Sportarten seien in im gleiche Maße Sponsoring und Werbung am Austragungsort vorhanden. Eine Gleichbehandlung ist trotzdem nicht zu rechtfertigen, denn Raabs Sondershows wie Wok-WM oder Stockcar-Challenge sind künstlich produzierte Fernsehevents, die nicht einmal Ansatzweise in dem Rahmen stattfinden würden, wenn keine Kamera in der Nähe wäre. Sport hat immer auch einen Wettbewerbscharakter, wo sich Sportler und nicht B-Klasse Prominente messen. Ein Vergleich mit Biathlon, Tischtennis oder Fußball ist also sehr weit hergeholt. Etwas schwerer eine Grenze zu ziehen, ist es zu so stark kommerzialisierten Sportveranstaltung wie der Formel 1 oder den amerikanischen Sportligen NBA, NFL und NHL.

Was auf den Schritt von ProSieben folgen wird, ist fraglich. Die zuständigen Medienwächter haben bereits angekündigt, auch die anderen Raab-Formate zu prüfen. Auch hier könnte die Kennzeichnung anstehen. Dass es den Zuschauer aber in irgendweise stört und die Quote leidet, ist zu bezweifeln. Schließlich wird niemand den Werbecharakter bei gefühlten dreitausenden Nennung des Sponsors und die Omnipräsenz der Werbelogos erst dann bemerken, nachdem er es oben in der Ecke nachgelesen hat.

Montag, 13. Oktober 2008

Ein kleiner Spuk

Na gibt's denn sowas? Der deutsche Literatur-Papst Marcel Reich-Ranicki hat den deutschen Fernsehpreis abgelehnt. Spontan, aus dem Bauch heraus. Was daraus wurde ist eine merkwürdige Aufführung. Stehende Ovationen für den senilen Herrn, als er dann auf seine unverwechselbare Art ausholt und sich über das schimpft, was er vier Stunden hat ertragen müssen, weiß das Saalpublikum nicht so recht wie es reagieren soll.

Ist das nun ein Witz? Mal besser mitlachen. Aber der bleibt ja toternst. Lehnt der wirklich den Ehrenpreis ab? Ach jetzt kommt die übliche Kulturschelte fürs Fernsehen, angeführt von einem Lob für Arte. Na, da klatschen wir doch mal scheinheilig, wir, die den Schund überhaupt erst verbrochen haben.

Um bewerten zu können, was den Marcel Reich-Ranicki so auf die Palme gebracht hat, müßte man die Verleihung des Fernsehpreis gesehen haben. Ich habe es jedenfalls nicht. Nie im Leben wäre ich auf die Idee gekommen, eine von Thomas Gottschalk moderierte Beweihrauchung der täglichen Misere unseres Fernsehprogramms zu schauen. Nach allem was es in Zeitung und Netz darüber zu lesen gab, war es was zu erwarten war: Eine so dermaßen niveaulose, unlustige und erbärmliche Unterhaltung, für die einfach noch keine passende Droge erfunden wurde. (interesanterweise kürzte selbst das ZDF einige Knaller, wie Dwdl berichtet.)

Eigentlich müßte dem Fernsehen jetzt ein Licht aufgehen. Wir sind nun so weit unten angekommen, daß uns die Preisträger davon laufen. Und Herr Marcel Reich-Ranicki hat ja auch recht, mit anständiger Unterhaltung hat das Fernsehen hierzulande nur noch selten was zu tun. Natürlich will niemand den lieben langen Tag Arte oder 3Sat gucken. Aber wer erträgt denn noch ein Nachmittag zwischen privaten Krawall-Talk und öffentlich-rechtlichen Knuddel-Zootierchen. Das eine ist Verdummung, das andere Berieselung, die einen Dumm hält.

Das schlimme ist ja, das alle bißchen intellektueller Angehauchten, die Misere erkannt haben. Da in den Führungsriegen des Fernsehen eben auch solche Köpfe sitzen, wissen die genausogut Bescheid, was sie da eigentlich zeigen. Das Alibi ist immer das gleiche: Ihr wollte es doch nicht anders, ihr seid es die schaut, die Quote gibt uns recht. So wird der schwarze Peter weitergereicht. Schließlich schauen die Zuschauer im Prinzip alles was ihnen vorgesetzt wird. Wirklich alles. Setzt man ihnen etwas schlechtes vor, sie schauen es. Setzt man ihnen nur schlechtes vor, gucken sie es ebenfalls. Aber warum ist eigentlich niemand auf die Idee gekommen ihn mal nur Gutes vorzusetzen, was würden sie dann machen? Genau, Einschalten natürlich!

Ganz abgewendet hat sich ja auch Herr Reich-Ranicki nicht. Thomas Gottschalk trat an den entrüsteten Reich-Ranicki von der Seite heran und bot ihm an, eine Gesprächsrunde mit den Itendanten der großen TV-Anstalten über alles was so fehle im TV. Reich-Ranicki stimmte dem zu, wenn er auch bezweifelte, dass es dazu kommen würde. (Das ZDF hat aber inzwischen einen Sendeplatz am Freitag freigemacht und ist willens diese Talkrunde abzuhalten.) Gottschalk hatte mit seiner humorvollen Art gleich wieder die Lacher des publikums auf seiner Seite und rettete so die Situation. Reich-Ranicki erzählte daraufhin kleine herzzerreißende Geschichte, um sich anschließend mit Gottschalk zu verbrüdern und vom Publikum ausgiebig feiern zu lassen. Es war wie ein kleiner Spuk, so schnell wie es gekommen war, war es auch wieder vorbei.

Samstag, 26. Juli 2008

This is a 100% accident!

Raus aus dem Flugzeug, rein in den Mietwagen, ab zum Club, gutes Gesicht auf der privaten Afterhour und dann noch schnell das Hotel finden. Das DJ Leben ist ein hartes, besonders wenn sich das Prozederre in die Länge zieht und gleich eine ganze Tour umfasst. Eine ganze Menge Standfestigkeit ist von Nöten und bisweilen eine ordentliche Schippe Humor.


Dass diese Dauerfeierrei nicht unbedingt der niemals endende Spaß ist, zeigt die erste Folge der Internet Serie One More Song. Die DJs des Labels Institubes aus Paris ziehen durch die Städte und Clubs dieser Welt, dokumentiert durch die Kamera von Jean-Baptiste de Laubier, der als DJ Para One selbst mit von der Partie ist. Die erste Folge Hooligan Disco zeigt Curses, Surkin, Para One und Orgasmic auf ihrer Tour durch Nordamerika im Sommer des letzten Jahres.


Hooligan Disco (w/ English subtitles) from Institubes on Vimeo.


Herausgekommen ist eine Dokumentation darüber, wie anstrengend, aber auch spassig es ist, wenn man dafür bezahlt wird, als Freakshow aufzutreten. Der Sound der Truppe kann als Daft Punk der nächsten Generation beschrieben werden: ähnlich funky, nur viel härter und schneller, definitiv nicht jedermanns Geschmack. Das schräge Auftreten und das gemeinsame Durchdrehen auf der Bühne reißt jedes Partyvolk auf der Tour mit. Einzelne musikalisch unterlegte Aufnahmen vermitteln die wenigen ruhigen Momente der Tour, meist nur im Vorbeirauschen aus dem Mietwagen heraus gefilmt.


Die französischen Helden sind aber hauptsächlich damit beschäftigt, den Einladungen der Einheimischen zu folgen oder auf den Hotelzimmern private Parties zu feiern. Die Stimmung ist durchweg gut, nur in der Mitte der Tour scheint etwas die Energie zu fehlen. Da wird der eine oder andere etwas kratzig, wenn man nach langer Suche schon wieder vor dem falschen Hotel steht. Die erste Folge ist sehr unterhaltsam, wenn auch streckenweise anstregend anzuschauen. Das Prozederre ähnelt sich in jeder Stadt, weshalb eine Länge von 45 Minuten etwas langatmig wirkt. Trotzdem ist es ein sehenswertes Zeitdokument über das Leben einer modernen Freakshow, die musizierend durch die Lande zieht.

Sonntag, 15. Juni 2008

Eine bedauerliche Richtungsentscheidung

Der Rat der Weisen der föderalen Kleinstaaterei ist vergangenen Dnnerstag zusammengekommen. Zwar ist es nicht ausgeschlossen, dass sich auch ein Weiser darunter befindet, aber es handelt sich hierbei lediglich um die Ministerpräsidenten der Bundesländer. Doch diese hatten ausgestattet mit der Kulturhoheit der Länder die Gelegenheit eine richtungsweisende Entscheidung in der Rundfunkpolitik zu treffen.

Im genauen ging es um den Spielraum, den den öffentlichen-rechtlichen Rundfunkanstalten im Internet gelassen wird. Mit der nun getroffenen Entscheidung wurde den grauen Elefanten nicht viel Leine gelassen. ARD und ZDF sollen lediglich sendungsbezogene Angebote im Internet einstellen dürfen, pressähnliche Angebote werden explezit ausgeschlossen. Diese Entscheidung ist keine endgültige Einigung unter den Ministerpräsidenten, stellt aber die Eckpunkte dar, was in Zukunft zu erwarten ist.

Damit wird den Rundfunkanstalten und deren Angebote im Internet ein klarer Riegel vorgeschoben. Noch brüten die Juristen in den Anstalten darüber, was genau erlaubt sein wird, aber ein ausführliches Nachrichtenportal scheint in Zukunft nicht mehr denkbar. Am Rande wurde außerdem vorgegeben, dass Rundfunkinhalte maximal sieben Tage zum Abruf im Netz stehen dürfen. Dies macht einen schlichtweg steinzeitlichen Eindruck, angesichts der Bekanntgabe der britischen BBC diese Woche, sein Archiv der letzten 80 Jahre im Netz zugänglich zu machen.

Zugebener Maße ist die Entscheidung in einem engen Rahmen gefällt worden. Der Druck seitens der Lobby aus privaten Rundfunkveranstaltern und Presseunternehmen war hoch, denn sie sahen ihre Pläne für eine effektives Erlößmodell im Internet in Gefahr. Bislang verdient kaum jemand mit Information im Netz echtes Geld, ein gebührenfinaziertes Konkurrenzangebot würde dies nicht gerade erleichtern. Deshalb gab es auch seitens der EU-Kommission ein Druckpotential, da sie seit Jahren die Rundfunkgebühr als unzulässige Subvention und somit als Wettbewerbsverzerrung sieht. Unter solchen Umständen ist die Entscheidung nicht sonderlich überraschend, aber eine stärkeres Eintreten der Ministerpräsidenten für den öffentlichen Rundfunk wäre wünschenswert gewesen.

Doch genau bei dem Begriff "Rundfunk" setzen die Kritiker der öff. rechtl. Internetangebote an. Denn der Auftrag der Rundfunkanstalten erstreckt sich, wie der Name es ja auch bereits sagt, auf Rundfunk. Die Frage ist, ob er sich auch dadurch begrenzt. Das Bundesverfassungsgericht hatte in einem seiner Rundfunkentscheidungen dem Anstalten eine Entwicklungsgarantie zugesichert. Mit den Jahren haben sich Audio- und Videoihalte im Internet nun zusehend weiterentwickelt und eine klare Trennung fällt immer schwerer. Und wenn dies so weitergeht, wird der klassische Rundfunk zwangsläufig eingehen und mit ihm die Gebührenfinanzierten Anstalten.

Wünschenswert wäre dies nicht, denn auch in den Zeit nach den Frequenzknappheit hat sich der öff.-rechtl. Rundfunk bewährt. Abseits aller Disskussionen über Programmqualität kann ihnen ein entscheidender Beitrag zu der Breite politischen Berichterstattung bescheinigt werden. Einen solchen Anlaufpunkt in einem privatwirtschaflichen Umfeld wäre auch im Internet wünschenswert, schließlich ist es noch immer eine Spielwiese der halb- und Nichtinformation. Also wenn es auch kein Rundfunk ist, bedeutet es nicht, dass es auch seinen Nutzen hat. ARD und ZDF sollen zwar nicht komplett ins Netz abwandern, aber ein gewisses Engagement wäre dennoch sinnvoll. Insofern haben die Ministerpräsidenten mit ihrem Entschluss die falsche Richtung eingeschlagen, indem sie einem entscheidenden qualitativen Beitrag im deutschsprachigen Internet einen Riegel vorschieben.

Montag, 19. Mai 2008

Neues Kind auf dem Fernsehmarkt

Serienfans aufgepasst! Der heutige Tag könnte ein persönlicher Feiertag werden. Naja, das ist etwas übertrieben, aber mit diesem Montag startet ein neuer Pay-TV-Kanal, der den bislang komplett ignorierten Anhang der qualitativ hochwertigen Serien eine Heimat bieten soll. Das neue Kind trägt den Namen FOX Channel Deutschland und ist ein Ableger des Amerikanischen FOX Network.

Das Programm ist mit Serienhighlights gespickt, die teilweise hier schon gelaufen sind oder mit einer gewisser Verzögerung vor der Ausstrahlung im Free-Tv laufen werden. (z.B. die neusten Lost-Folgen) Vor allem aber importiert der Sender einige Shows, die von den Programmachern bislang komplett ignoriert wurden und nun endlich auch in Deutschland zu genießen sein werden. Am meisten Aufmerksamkeit erfährt zum Senderstart das Politdrama The West Wing, in der sich die Handlung im Weißen Haus rund um den fiktiven Präsidenten Josiah Bartlet dreht, grandios dargestellt von Martin Sheen. Die erste Staffel lief bereits 1999 in den USA und kommt somit mit einer neunjährigen Verspätung endlich auf unsere Schirme. Insgesamt gibt es sieben Staffeln, die Serie wurde aber 2006 eingestellt.

Als weitere Erstaustrahlungen werden das Collegedrama Greek oder die morbide Comedy Reaper laufen. Vor allem aber werden drei Highlights aus dem Hause HBO den Sprung über den Atlantik schaffen. Den Anfang macht die skurille Comedy Curb Your Enthusiasm mit dem Seinfeld-Autor Larry David im Selbstpotrait. Die Serie ist für ihren Stil legendär, die Szenen werden ohne feste Drehbuchangaben im Studio spontan und frei aufgenommen, was die Schauspieler als grandiose Erfahrung beschreiben und deshalb halb Hollywood wild auf eine Gastrolle ist.

In naher Zukunft wird die Serie Entourage über den fiktiven Schauspieler Vincent Chase und seine "Crew" folgen, mit einem genialen Jeremy Piven als den Agenten Ari Gold. Vor allem dar man gespannt auf fünf Staffeln The Wire warten. Dieses Baltimore-Drama des Autorenduos David Simons und Ed Burns liefert einen Einblick in die katastrophalen Verhältnisse in einer amerikanischen Großstadt zwischen sozialen Niedergang, Drogenhandel, korrupter Politik und einem kaputten Polizei-Department. The Wire ist einer der besten Serien, die je für das Fernsehen produziert wurden und ist in den USA gerade nach fünf Staffeln ausgelaufen.
FOX Channel Deutschland wird zudem noch The Sopranos wiederholen und da angeblich die Serie Carnivale geplant sein soll, kann der Sender fast mehr als ein Ableger von HBO als von FOX gesehen werden.

Die Ausrichtung des Sender führt dazu, das diese zugegebenermaßen nicht gerade billigen Importe ausgestrahlt werden. Die Serienfans sind die Zielgruppe, die es zu erreichen gilt. So preist der Programmdirektor Michael Westhoven auch den finanziellen Vorteil, den ein Abonnement des Sender gegenüber dem DVD-Erwerb hat. Sehr lobenswert ist außerdem die Ausstrahlung im Zweikanalton, so dass die Freunde des Orginaltons nicht zu kurz kommen. Positiv ist außerdem der Verzicht auf Werbeunterbrechungen zugunsten der Pay-TV-Finanzierung. Als großes Manko muss aber die vorläufige Ausstrahlung im 4:3 Format angesehen werden, da dies nicht mehr sonderlich zeitgemäß ist, schließlich wird in den USA nahezu ausschließlich im Breitbildformat produziert. Außerdem bleibt abzuwarten, ob der Sender das angefangen Niveau auch auf Dauer halten kann. Die Highlights sind alle nicht unbedingt die Jüngsten und so viel qualitativ hochwertiges gibt der amerikanische Markt auch nicht her. Bleibt zu hoffen, das auch weiter gut eingekauft wird und auch vielleicht ein Blick nach Großbritannien gewagt wird, wo bekanntlich auch einige Schmanckerl auf ihren Import nach Deutschland warten.



FOX Channel Deutschland ist ab heute über die Sattelitenplattform von Arena zu empfangen, morgen folgen der Kabelanbieter Unitymedia. Mit weiteren Anbietern wird verhandelt und auch eine Verbreitung via IPTV ist geplant.

http://fox-channel.de/

Donnerstag, 17. April 2008

Werbung von gestern und Drogen von heute

Als Fernsehsender aus Amerika sind bislang mehr die großen Networks (NBC, ABC, CBS, FOX) oder die zwei großen Pay-TV Anbieter (HBO, Showtime) als Produzenten von hochklassigen Serien bekannt. Der Boom der letzen Jahre und der mit den Serien verbundene Imagegewinn eines Senders hat aber auch kleinere Kabelnetworks veranlasst, sich als Serienproduzenten zu engagieren. Nun macht gerade der Sender AMC Furore, indem er zwei ungewöhnliche Formate vorgelgt hat, die als die Überraschungen der vom Streik gebeutelten Saison sind.

Einen atemberaubend guten Einblick in die Welt des Jahres 1960 liefert uns Mad Men. Das Jahr liegt irgendwo undefierbar zwischen den stocksteifen 50ern und den wilden 60ern. Schauplatz ist eine Werbeagentur in Manhattan, wo die Postkartenidyllen der Werbeplakate in einem äußerst widersprüchlichen Umfeld entworfen werden. Die "Ad-Men" sind chauvinistisch und leicht anti-semitsich, ständig am Trinken und Rauchen. Die Frauen nur darauf bedacht den Herren willige Gespielinnen zu sein, getrieben von der Hoffnung einen dauerhaft an sich binden zu können oder diesen später auch zu halten. Die Hauptprotagonisten dieser Serie hadern nun allesamt mit der Rolle, die ihnen in der Gesellschaft zugeteilt werden und schliedern so von Krise zu Krise.

Nebenbei gilt es noch eineige Werbekampagnen zu entwerfen, die teilweise noch bis heute bestand haben oder exemplarisch die Entwicklung der Zeit und der Werbung stehen. So darf man teilhaben, wie die Machos sinnieren, was Frauen wollen, getrieben von dem Problem, dass die Frau als Konsument entdeckt wurde und auch entsprechend beworben werden muss. Oder es werden die Chancen eines Senator Kennedy auf das Präsidentschaftsamt diskutiert, der ja noch nicht einmal einen Hut trage. An solchen Stellen werden einem die aus heutiger Sicht merkwürdigen Zustände der damaligen Zeit spannend vorgeführt, was sicherlich auch zur persönlichen Wertschätzung der modernen Zeit beiträgt.

Im modernen Amerika spielt auch die andere AMC-Serie Breaking Bad. Im Mittelpunkt steht Highschool Lehrer Walter H. White (Bryan Cranston, bekannt als der Vater aus Malcolm in the middle), der gerade fünfzig geworden in eine schwere Sinnkrise gerät. Seine Schüler haben nichts für seine Leidenschaft für die Chemie übrig und wegen finanziellen Schwierigkeiten muss er zusätzlich noch an einem Carwash arbeiten. Das Familienleben mit dem behinderten Sohn und der Ebay-süchtigen Ehefrau ist zwar harmonisch, aber wenig aufregend. Der Schwager von der DEA bringt ihn dann auf die Idee, dass man mit Drogen einfaches Geld machen kann und eine Spur Abenteuer gibt es noch dazu.

Und so gibt sich der brave Familienvater in bester Falling Down-Manier auf eine eine Trip aus Kriminalität mit einer Spur Wahnsinn. Mit seiner Leidenschaft für die Chemie agiert er als begnadeter Koch in einem von vielen privat betriebenen Drogenlabors für Methamphetamin, das als billige Droge das ländliche Amerika wie eine Seuche überzieht. Der Vergleich zu der Nancy Botwin aus Weeds liegt natürlich nahe, aber anstatt der schönen Familienmutter aus dem Vorort von LA, ist es hier der Stereotyp des Durchschnittsamerikaner aus einer Kleinstadt in New Mexiko, die wie jede andere im Weite Land Amerikas aussieht. Die ungewöhnliche Szenerie macht die Geschichte reizvoll, die Transformation des Walter White zu Bösen hin ist etwas zum mitfiebern.

Die Kritiker liegen den Verantwortlichen bei AMC jedenfalls zu Füßen und diese werden sich bei einem solchen Erfolg sicher die Hände reiben, da sie nun mit zwei Aushängeschildern dastehen. Mad Men hat auch auf Anhieb zwei Golden Globes eingeheimst, unter anderem der begehrte für die beste Drama Series, und auch die Quote war ordentlich. Die Strategie wird sicherlich versucht fortzusetzen und es wird wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis das nächste kleine Kabelnetzwerk einen Qualitätsangriff gegen die großen der Branche fährt. Sicherlich sehr zur Freude der anspruchvollen Zuschauer.


Montag, 31. März 2008

Das kurze regelmäßige Vergnügen

Die Entwicklung von Videoformaten im Internet hat in den letzten Jahren eine atemberaubende Entwicklung vollzogen. Aus den vormals stark verpixelten und schier ewig ladenden Streams sind Angebote mit annehmbarer Qualität geworden. Dies wird nun hauptsächlich von Raubkopieren und jugendlichen Selbstdarstellern genutzt. Doch daneben entwickelte sich mehr und mehr eine Szene, die bemüht ist qualitative Inhalte für das Internet zu produzieren, die über den Monolog einer Person hinausgeht.

Was kann man über diese Formate sagen? Nun ja, sie sind vor allem den Zeitbedürfnissen ihres überwiegend jungen Publikums angepasst und deshalb in der Regel sehr kurz. Stattdessen gibt es periodisch neue Folgen. Den meisten Formaten merkt man aber auch an, dass den Machern nicht die finanziellen Mittel zur Verfügung stehen, wie es im TV-Business der Fall ist. Deshalb sind sie einfach gehalten oder gleich bewußt trashig. Da aber auch der Kontroll- und Verwaltungsapparat der Industrie umgangen wird, sind sie oft auch orgineller oder provozierender als die TV-Inhalte, ähnlich wie der Slogan von Berlin gilt: Arm aber sexy.

Die Zielgruppe ist offensichtlich die junge urbane Bevölkerung, die sich die Shows während der Arbeitspausen anschaut, auf mobile Geräte für den Weg zur Arbeit lädt oder sie sonstwie nebenher ansieht. Deshalb bewegen sich die meisten Shows auch im Comedy-Bereich oder stellen eine Art Entertainment dar, mit welcher Entwicklungen oder Trends im modernen Leben rund um das Internet thematisiert werden. Durch die vorab geschalteten Werbespots können die Macher ein bißchen Geld verdienen und bei großem Erfolg sich ein Engagement in der Entertainmentindustrie mit den richtig fetten Geldtöpfen sichern.

Die Auswahl der Shows ist groß und wird von Woche zu Woche mehr. Welche Stilblüten oder welcher Schrott sich dazu finden läßt, werde ich in den nächsten Wochen anhand einzelner Shows zeigen. Wer sich vorab einen Überblick verschaffen will ist der Blog zu dem Thema Tilzy.tv ans Herz gelegt.

Mittwoch, 12. März 2008

Von der Entwicklung überrollt

Auf dem Fernsehmarkt tat sich die vergangenen Wochen so einiges. Zuersteinmal muss ich einräumen, dass die HDTV-Entwicklung in Deutschland zwei kleine Schritte nach vorne und weltweit ein rießen Sprung gemacht hat. Somit ist der Blogeintrag vom 16.2. von der Realität überrollt worden. Der Kulturkanal Arte, eine Kooperation der Öffentlichrechtlichen Sender Frankreichs und Deutschland, hat für den Sommer den hochauflösenden Sendebetrieb angekündigt. Daneben plant auch der kommerzielle Sender Eurosport mit einem HDTV-Angebot. Derzeit ist aber noch nichts darüber zu erfahren, ob auch in Deuschland.

Mit der Entscheidung einiger Hollywood-Studios und der amerikanischen Warenhauskette Wal-Mart wurde der Kampf der Formate entschieden. Der hochauflösende Träger für zu Hause wird Blu-Ray sein. Kunden in Europa werden etwas verduzt aus der Wäsche geschaut, denn hierzulande hatte HD-DVD bisher die Nase vorn. Nicht so aber auf dem wichtigeren amerikansichem und japansichem Markt, die endgültigen Entscheidungen wurden aber zwischen Firmenstrategen ausgehandelt und hatten mit Kundenpräferenzen wenig zu tun. Somit wird ein Boom der entsprechenden Geräte erwartet, da nun die Formatunsicherheit wegfällt.

In den Medien wurden sie aber nicht müde, immer noch den Hinweis hinterherzuschieben, dass der Datenträger in Scheibenform so oder so keine Zukunft hat. Diese gehöre der Übertragung aus dem Internet, mit der die Filme trägerlos in die Wohnstuben fliegen. Angsichts der zunehmenden Verstopfung des Internets durch Videomaterial von Youtube und co., sind solche Zukunftsvisionen aber nur mit einer massiven Ausweitung der Datenkapazitäten denkbar.

Vor einigen Monaten habe ich die Auferstehung des Leo Kirch beschrieben, in der folgenden Entwicklung ist aber ein weiteres Schreckgespenst auf den deutschen Markt zurückgekehrt: Der australisch-amerikanische Medienmogul Rupert Murdoch ist mit seiner News-Coporation bei Premiere eingestiegen, anfangs wurden die 14,58% von Unity-Media übernommen, was kurz darauf auf knapp 20% aufgestockt wurde. Von Seiten Premiere wird dies als eine Reaktion auf die neuen Vermarktungspläne der Deutschen Fussball-Ligen und der Kirchfirma Sirius zurückgeführt, um neues Kampfkapital zu akquirieren.

Die nun neuste Meldung ist, dass nun ein Ableger des amerikansichen Fox-Networks in Deuschland geplant ist, welches ebenfalls zu der News-Corporation gehört. Eine entsprechende Lizenz wurde bei der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg beantragt. Fox ist in den USA ein besonders bei jungen Leuten beliebtes Network, welches hierzulande vor allem durch seine importierten Serien wie The Simpsons, Family Guy, Prison Break oder 24 bekannt ist.

In den späten 90er Jahren hatte er den Frauen-Sender TM3 übernommen und mit Champions League Fussball zu puschen versucht, mit aber nur mässigen Erfolg. Ein erneuter Angriff auf den deutschen Free-TV-Markt seitens Murdochs ist dies aber nicht. Der neu FOX-Sender wird ein Pay-TV angebot werden, der wahrscheinlich ab Mai auf der Plattform von Premiere zu finden sein wird. Murdoch hätte auch einen richtigen neunen Anlauf starten können, da der Sender Das Vierte zu Disposition stand. Die Besitzer NBC-Universial fanden aber keinen Käufer, Murdochs Schritte auf dem deutschen Markt sind also vorerst nur kleine. Es bleibt abzuwarten, ob daraus mehr wird. Sein katastrophaler Ruf eilt im jedenfalls immer voraus, ob nun die Einschränkung der journalistische Freiheit der von ihm gehaltenen Medien, die offensichtliche Unterstützung Bush-Administraion seines Senders FOX-News oder das wohlwollende Entgegenkommen gegenüber der chinesischen Zensur-Bestrebungen, die Beispiele sind zahlreich.

Samstag, 16. Februar 2008

Zukunft vertagt

Bei dem Thema HDTV kammen wir uns Blick mit dem Atlantik ja schon seit längerem rückständig vor, aber nun sind die ersten zarten Blüten des hochauflösenden HDTV-Angebots eingestanzt worden. Die ProSiebenSat1 Media AG stellt heute seine frei empangbaren Angebote ProSieben HD und Sat1 HD wieder ein. Mit einer erneueten Aufnahme ist erst 2010 geplant. Damit sind derzeit einzigen Angebote Premiere HD, Discovery HD und Anixe HD. Die Öffentlich-rechtlichen Sneder planen frühestens mit den Olympischen Winterspielen 2010 mit der Einführung des hochauflösenden TV. Die hochauflösenden DVDs sind noch schweinisch teuer und die neuen Spielkonolen sind auch nicht gerade der Marktrenner. Da stellt sich doch zwangsläufig die Frage, was die lieben Leuts denn eigentlich mit ihren teuren Flachbildschirmen so anstellen.

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Welcome to the Hall of Shame!

Einen doch sehr originellen Preisträger gab es bei den östereischen Big Brother Awards. Die Juroren des Preises für Personen, die sich "Feld der Überwachung, Kontrolle und Bevormundung ganz besonders verdient gemacht haben", entschieden sich unter anderen für den Serien-Autoren Anthony E. Zuiker. Dieser habe mit seiner Serie C.S.I. der fortschreitenden Überwachung und Beschränkung der Bürgerrechte einen Bärendienst erwiesen, indem er diese Umstände fiktional verharmlost hat.

In der Begründung der Jury heißt unter anderem:
"Die C.S.I.-Serien präsentieren Rasterfahndung, DNA-Analysen und die Aushebelung von Bürgerrechten unkritisch, verharmlosend und gefährlich einseitig. CSI diente in den letzten Jahren als Prototyp einer ganzen Reihe weiterer ähnlich gelagerter Fernsehserien, in denen die Rechte der Bürger im Allgemeinen und der Verdächtigen im Speziellen in erster Linie als ermittlungsbehindernd dargestellt werden. Die C.S.I-Beamtern zeigen vielmehr, wie smart sie ihre Arbeit erledigen, in dem sie all diese Rechte links liegen lassen bzw. systematisch umgehen. [...] In einem sensiblen und oft hochemotional gehaltenen Kontext werden im Kampf gegen Terror und Verbrechen Bürgerrechte zu einem lästigen Anhängsel des letzten Jahrhunderts degradiert und die Mittel durch den Zweck gerechtfertigt. Diese Indoktrination hat dementsprechend fatale Effekte in der politischen Diskussion über den Kampf gegen den Terror."

Die Auszeichnung ist berechtigt, denn genauso wie das bereits heißdiskutierte Verhalten von Kiefer Sutherland aka Jack Bauer in 24 ist auch diese Serie mit verantwortlich dafür, dass nicht gerade wenig Menschen die schwere von solchen Verstößen nicht bewußt sind. Aus dem Irak wurde unlängst berichtet, dass das amerikanische Militär Probleme hat, seinen Rekruten die bei Jack Bauer abgeschauten Methoden zu verbieten. Und obwohl Folter ein maßgeblich schlimmeres Vergehen ist, ist die Verletzung von Datenschutz nicht zu verachten. Fiktional Verstöße darzustellen ist in sofern nicht verwerflich, aber bei C.S.I. werden die Methoden zu Routine und auf diese Weise heroisiert. Das haben die Juroren der östereichischen Big brother Awards richtig erkannt und somit hat nun Anthony E. Zuiker einen Platz in der "Hall of Shame" sicher. Congratulations!

Links: Big Brother Awards Preisträger

Sonntag, 21. Oktober 2007

Wer ständig lügt, dem vertraut man blind?

Die Franzosen haben Quoten in TV und Radio zum Schutze ihrer Sprache und ihrer Kulturprodukte. Erfolgreich oder nicht, es bleibt offen, ob dies überhaupt wünschenswert ist, schließlich sind Fremdsprachenkenntnisse heutzutage ja nichts schlechtes. Aber hierzulande wird auch über eine Quote für, naja sagen wir mal, "deutsches Liedgut" gefordert. Was nun aber die letzten Tage durch die Medien geisterte war wirklich merkwürdig. Politiker fordern Quoten für deutsche Serien.

Die Meldung wurde jedenfalls von vielen Medien aufgenommen, die SPD-Politikerin Monika Griefahn wurde zitiert, die SPD sei "grundsätzlich für eine Quote für deutsche Serien im Fernsehen". Interessanterweise kam die Meldung aber von niemand geringeren als der BILD-Zeitung und so wurde die Meldung ganz schnell zu einem Fall für Bild-Blog. Die SPD dementierte nämlich umgehend, man sei für eine Quote im Radio und Frau Griefahn habe nie mit einem BILD-Mitarbeiter über deutsche Serien gesprochen. Generell würde die Bundestagsabgeordnete aber begrüßen, wenn sich die Verantwortlichen des Rundfunks für mehr deutsche Produktionen im TV einsetzen würden.

Das könnte man nun wieder als bestes Beispiel nehmen, dass die deutschen Medien einen katastrophalen Umgang mit der Zeitung mit den großen Buchstaben haben. BILD berichtet, alle schreiben ab, niemand hinterfragt die Fakten oder den Wahrheitsgehalt. Ich nachhinein wird dementiert und der schwarze Peter dem Springer-Blatt zugeschrieben, doch bis dahin hat sich die Meldung bereits in die internationale Presse verabschiedet und unser Ruf ist mal wieder ruiniert. In diesem Fall hat der Hollywood Reporter die Geschichte aufgenommen und es gibt sicher noch viele Menschen auf der Welt, die der festen Überzeugung sind, dass wir aus toten Katzen Benzin machen.

Bleibt aber noch die Frage, ob eine Quote uns deutsche Serien gucken läßt. Schwer zu bezweifeln, die Qualität der deutschen Serien ist auch so schon mäßig, dabei kaufen die Sender doch amerikanische Serien, weil es eben billiger ist und das Risiko geringer. Die SPD hätte die Ente wohl lieber eine Ente sein lassen.


Quelle: DWDL.de

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Politik in den Alpen, die Zweite!

Weiße Schafe kicken schwarze Schafe aus dem Land. Wenig originell und doch heiß diskutiert, denn so geht die Schweizer Volkspartei (SVP) auf Stimmenfang. In Plakaten und auch in einem Spiel auf der Homepage soll so symbolisiert werden, wie man "kriminellen Ausländern" verfahren will. (Entsprechendes Bildmaterial bitte der Spiegel-Online Fotostrecke entnehmen) Missverständlich oder mit Absicht so doppeldeutig? Das man dies auch als generell rassistische Kampagne betrachten kann, ist auch die UNO der Meinung, die die Einstellung forderte.

Doch für die Schweiz steht nicht nur der gute Ruf auf dem Spiel, sondern die gesamte politische Kultur. Man stelle sich einmal vor: Themenbezogene Wahlkämpfe, Personenwahlkämpfte gab es nur auf lokaler Ebene. Die Politiker auf der Bundesebene spielen nur eine untergeordnete Rolle, warum auch, denn in der Schweiz gilt die Formel der sehr großen Koalition. Das Kabinett wird immer aus allen Parteien nach festen Kriterien verteilt, die nur gelegentlich hinterfragt werden. Doch nun kommt der Justizminister Christoph Blocher mit seiner getreuen SVP daher und widersetzt sich diesem Stil. Die Partei wirbt mit platten Parolen und die Person Blocher wird zum Programm stilisiert.

Da die Partei bereits letzte Wahl auf diese Weise ordentlich punkten konnte bei den schweizer Wählern, scheint es nur noch eine Frage der Zeit, bis die anderen Parteien auf diesen neuen Politikkurs einlenken. Die Amerikanischen Partei haben es vor gemacht, mit Tony Blair und Gerhard Schröder wurden diese aus der Werbebranche abgeschauten Methoden in Europa hoffähig. Nun scheint es die Direkt-Demokratie in der Schweiz zu erwischen. Schöne neue Welt oder unausweichliches Übel?

Donnerstag, 11. Oktober 2007

He's back!

Es gab mal eine Zeit, da herrschte vom schönen München aus ein Medienkönig mit Namen Kirch, Leo über sein eigenes Imperium aus Medienbeteiligungen. Filmhandel, Rundfunk und Sportrechte waren die Spielwiesen, in denen er für Furore sorgte. Geflecht nannte man seinen Staatsaufbau, den niemand außer ihm hatte einen wirklichen Überblick, was ihm eigentlich genau gehörte. So wohl auch die Banken, die das Geld in Form von Krediten Schubkarrenweise, nein Lastschiffweise bei ihm ablieferten. Doch irgendwann war es wohl doch zu viel und ein gewisser Rolf-E. Breuer von der Deutschen Bank zweifelte öffentlich an seiner Kreditwürdigkeit.

Tja, lang ist sie her, die spektakuläre Insolvenz von Kirch-Media. Bis heute sind die Juristen der Insolvenzverwaltung damit beschäftigt den Gläubigern ihre sieben Milliarden Euro zurückzubringen. Die Privatperson Kirch selbst war nie insolvent, nur hatte niemand auch nur ansatzweise eine Ahnung, wieviel er unter seinem Kopfkissen hortet, geschweige denn wo sich diese Kopfkissen befinden. Die letzten Jahre war das einzige, was man von dem gefallen Medienmogul hörte, seine juristischen Auftritte als Don Quijote gegen die Windmühlen der deutschen Bank.

In den vergangenen Wochen deutete sich aber an, dass Kirch etwas im Schilde führt. Durch eine Tauschgeschäft verfügte die Firma Sirius, die rechtlich seiner Frau und seinem langjährigen Gefährten Dieter Hahn gehören, plötzlich über eine große Beteiligung an EM Sports. Diese Firma die aus EM-TV hervorgegangen ist hält Beteiligungen an dem DSF, dem Online-Portal Sport1 und der Produktionsfirma Plazamedia. Und dann geschah das, was niemand für möglich gehalten hätte: Die Deutsche Fussball Liga (DFL), der Betreiber der Profifussball-Ligen, beauftragen ausgerechnet Kirchs Sirius mit der Vermarktung der TV-Rechte.

Haben die denn nichts gelernt, war doch der Profifussball in arge Schwierigkeiten geraten, als mit Kirch-Media insolvent war? Kirch hatte über Jahre sich die TV-Rechte gesichert, zu überteuerten Konditionen. Deshalb war auch jetzt die Entscheidung nicht einfach, viele der 36 Bundesligavereine hatten Bedenken. Doch das Angebot von Sirius garantierte 500 Mill. Euro pro Saison, anstatt der bisherigen 420 Mill. Euro und das schlussendliche letzte Wort hat weiter die DFL.

Doch das Engagement zielt aber auf eine anderen Partner der DFL, nämlich Premiere. Schon lange sind die Monopolartigen Strukturen im Pay-TV den Vereinen ein Dorn im Auge. Zwar wurde das Diktat der Konditionen bei der letzten Vergabe durch das Engagement von Kabelnetzbetreibern unter dem Dach von Arena verhindert, doch ist nach deren Rückzug wieder alles wie zuvor. Der Plan Kirchs scheint nun wohl zu sein, die Produktion in die Hände von Plazamedia zu geben, denn bisher hatte Premiere das Livesignal aus den Stadien selbst produziert und an angeschlossene Vermarkter weiterverkauft, wie z.B. die Telekom für ihr Internet-TV. Wenn jetzt aber das Signal vorproduziert wird, kann man es viel einfacher an andere Kabelnetz- oder Satellitenbetreiber verkaufen, ohne das die eine eigene Sport-Redaktion brauchen. Das schafft Wettbewerb und für den derzeit aufziehenden Kampf um Kunden für das sogenannte Triple-Play (Fernsehen, Telefon und Internet von einem Anbieter) ist Sport als Lockmittel sehr gefragt.

Die Premiere-Aktionäre sahen dies auch so, worauf der Kurs aufgrund dieser Neuigkeit massiv einbrach. Ob das Engagement von Kirch den Bundesligavereinen den erhofften Wettbewerb und Geldsegen bringen wird, bleibt fraglich. Der letzte mal ging es mit Arena ja bekanntlich schief. Was bleibt ist das Erstaunen: Leo Kirch ist wieder da, mit seinen 81 Jahren will er es noch mal wissen. Doch während die einen staunen werden die zahlreichen Gläubiger Kirchs mit den Zähnen knirschen.

Montag, 8. Oktober 2007

Das schlechte Gewissen Österreichs

Wenn ein ganzes Land über ein Thema debattiert, ist es nicht ungewöhnlich, dass die Nachbarländer nicht wirklich was davon mitbekommen. Aktuell ist dies in Österreich der Fall. Der Fall der kosovarischen Familie Zagaj hat dort eine große Diskkussion zur Asylpolitik entfacht. Die Bürgerkriegsflüchtlinge hatten vergeblich alle juristischen Mittel herangezogen, konnten ihre Abschiebung aber nicht verhindern. Daraufhin ist die 15-jährige Tochter Arigona untergetaucht. Die vier Brüder und der Vater sind bereits in den Kosovo abgeschoben worden, die Mutter wurde Aufschub gewährleistet, um ihre Tochter zu suchen, derzeit sie liegt nach einem Nervenzusammenbruch im Krankenhaus.

Insofern eine tragische Geschichte. Aber Arigona scheint es faustdick hinter den Ohren zu haben, denn anstatt sich öffentlich kriminalisieren zu lassen, hat sie sich auf ein Fernduell mit dem österreichischen Innenminister Günther Platter eingelassen. Nach einem öffentlichen Brief griff sie auf das für gewöhnlich von Terroristen gebrauchte Mittel der Videobotschaft zurück. Diese spielte sie dem ORF zu. Hier begründet sie ihre Flucht: "Ich will einfach, dass ich hier bleiben kann, dass ich eine bessere Zukunft hab. Unten hab ich gar nichts. Meinen kleinen Geschwistern geht es unten auch sehr schlecht, wie ich gesagt hab, und ich würde auch zurückkommen aus meinem Versteck, wenn wenigstens meine kleinen Geschwister nach Österreich kommen. [...] Wenn ich jetzt wirklich zurück muss, dann bring ich mich lieber um, weil unten hab ich einfach keine Zukunft. Unten kann man gar nichts machen, da kann man keine Ausbildung machen und gar nichts." Zu Angeboten und Aufforderungen des Ministers entgegnet sie: "Ich habe gelesen, dass der Herr Platter in der Zeitung geschrieben hat, dass ich aus dem Versteck zurückkommen soll, aber ich vertraue dem Herrn Platter nicht."

Nun hat der Minister natürlich ein Problem, das idyllische Frankental, dem Heimatort der Familie, stellt sich hinter die Zagajs, aber auch in vielen anderen Orten Österreichs kam es zu Demostrationen gegen die Abschiebung. Die öffentliche Stimmung droht zu kippen, aber gleichzeitig kann er in seiner Wählerschaft der ÖVP mit seinem unnachgiebigen Kurs in der Asylpolitik punkten, den er seit Wochen umzusetzen versucht. Derzeit wiederholt er gebetsmühlenartig "nicht erpressbar" zu sein, er werde "nicht einknicken".

Der noch jungen Arigona ist es nicht nur gelungen die Thematik der Asyldebatte wieder aktuell zu machen, sondern hat ihr gleichzeitig ein Gesicht gegeben. Wenn man sie in ihrer Videobotschaft reden hört, merkt man ihr die Verzweiflung an und es ist nicht verwunderlich, das viele Österreicher daran zweifeln, ob es richtig ist so mit menschlichen Schicksalen zu wiederfahren. Dass die folgende Debatte nur in Österreich stattfindet ist sofern bedauernswert, da auch hier in Deutschland eine Wiederbelebung der Asyldebatte wirklich von Nöten ist.





gesamter Text der Videobotschaft

Donnerstag, 27. September 2007

Ein Wandernder zwischen den Genres

Die amerikanische Serie nähert sich mehr und mehr dem Kinofilm an. Ja, ja, nichts neues. Nicht erst seit Kiefer Sutherland in 24 brillierte oder Glenn Close in The Shield auftrat ist nicht mehr von der Hand zu weisen, das die Serie an Bedeutung gewonnen hat. Dabei wechseln die Akteure meist aber nur die Straßenseite oder gehen ein Halle auf dem Studiogelände weiter. Die Produktionsstudios bleiben die gleichen und gedreht wird auch in Hollywood, wobei die Kinofilme inzwischen eher in Kanada gedreht werden, der geringeren Steuern wegen.

Man mag natürlich jetzt entgegnen, dass alterne Hollywoodsternchen nun mal in das billigere Genre abwandern. Doch die modernen Serien verschlingen inzwischen ebenfalls ordentliche Budgets und dann gibt es noch den Fall Paul Haggis. Der Herr ist Drehbuchschreiber von Beruf und hat zwei Oscars für Crash erhalten, Bestes Original Drehbuch als auch Film des Jahres. Zudem ist er für das Script von Million Dollar Baby, Flags of our Fathers, Letters of Iwo Jima und Casino Royal verantwortlich. Er kommt eigentlich vom Serien schreiben und hat wohl eindeutig den Sprung in das Film-Business geschafft. Derzeit feiert nach und nach weltweit sein neuster Film In the valley of Elah Premiere, eine Post-Irak Drama mit Susan Surandon, Charlize Theron und Tommy Lee Jones. (Von einem deutschen Starttermin war leider nichts zu erfahren.)

Ganz dem Genre Serie abgeschworen hat der gute Herr wohl dann doch nicht. Auf dem amerikanischen Network NBC lief in diesem Frühjahr The Black Donnellys, eine Serie die Haggis zusammen mit Robert Moresco entworfen hatte. Der Pilot verspricht viel, es ist eindeutig zu merken, dass hier ein Drehbuch-Genie am Werke war. Die Erzählstruktur mit einem Off-Erzähler in einem Polizei-Verhör sehr lebendig, die Atmosphäre ist packend. Einzig und allein der massive Einsatz von Musik stört, er erinnert sehr an die übertriebene akustische Untermalung von Blockbustern.

Zur Story: Vier Brüder irischer Abstammung, aufgewachsen in Hells Kitchen, einem berühmtberüchtigten Stadteil in Manhattan, werden als Kleinkriminelle in die Machenschaften der Unterwelt hineingezogen. Der Kopf der Vier will eigentlich ein besseres Leben führen, doch als das Leben seiner Brüder in Gefahr gerät, tritt er an, um diese zu retten und nebenbei die Kontrolle über sein Viertel zu übernehmen. Es gibt eine Reihe böser Gegenspieler, einen guten Cop und eine alte Liebe, die aber leider schon verheiratet ist. Und natürlich gibt es alles was bei Iren nicht fehlen darf: Pubs, viel Alkohol, wüste Prügeleien und die allumsorgende Mutter.

Gute Gangster-Story und handfeste Kinomethoden, insofern hätte es ein Kandidat für die Lücke sein können, die The Sopranos hinterlassen haben. Hätte? Ja hätte, denn die Serie hat nie seine Erwartungen im Bezug auf die Quote erfüllen können. NBC hat sie noch nicht einmal bis zum Ende ausgestrahlt, sondern nach gerademal sechs Folgen ins Internet verbannt. Die erste Staffel, die auf DVD erhältlich ist, ist somit auch die Einzige. Man sieht, auch oder vielleicht erst recht in Amerika zählt die Quote doch sehr viel und der Status von Haggis hat wohl nicht viel geholfen. Schade, aber vielleicht beschränkt sich Paul Haggis nun doch nicht aufs Schreiben von neuen Bond-Teilen, sondern schiebt noch das ein oder andere Serienformat nach. Sein Talent ist auch in diesem Genre gut aufgehoben und so weit zu laufen hat er ja auch wieder nicht.


Nachtrag: Wie auf Serienjunkies zu lesen ist, hat Paul Haggis die Serie von bereits vor 10 Jahren geschrieben, sie wurde nur erst jetzt verwirklicht. War die Zeit damals nicht reif, haben die Sopranos den Weg für den verbrecher als Helden ebnen müssen?

Montag, 17. September 2007

Neue und alte Burgen

Hola! Long time no write. Ja ich war faul, hatte keine Zeit und sonstige Ausreden. Schade, dass ich es solange nichts getan habe, aber mir haben auch ein bischen die Ideen gefehlt. Die Qualität des Blogs hat meiner Meinung nach kontinuierlich abgenommen. Hoffe das ich jetzt mal wieder was hinkriege, mein Dank gilt dem Input von... genau Fm4! Und so widme ich mich auch mal dem Schlagwort "Input" und einer Homage an Fm4.


Heute abend lief auf dem österreichischen Sender ein Interview mit einem der Köpfe hinter Last.FM, Martin Stiksel. Man höre und staune, diese Welt-Innovation kommt aus der Alpenrepublik, Martin Stiksel ist sogar ehemaliger FM4-Redakteur. Von da aus hat er sich auf den Weg gemacht, um die Burgmauern der klassischen Broadcaster dieser Welt einzureißen.

Last.Fm ist ein intelligentes Radio, ein Internet-Stream des Web-2.0. Dieses Angebot merkt sich was seine Nutzer hören und gleicht es mit anderen Nutzern ab. Damit wird dann wiederum ein für jeden individuelles Radioprogramm erstellt. Gibt man also Nirvana ein, stellt es eine Auswahl rund um Grunge zusammen oder schlägt weitere Schlagworte vor. Desto genauer man seinen Geschmack definiert, desto treffneder wird die Auswahl. Nachteil ist, dass nichts individuell steuerbar ist, nicht mal vor- und zurückspulen ist möglich. Der große Vorteil des Radiohörens bleibt aber erhalten, der Input.

Wer kennt das nicht, die heimische Musiksammlung satt zu haben. Es bleibt einem nichts anderes übrig , als auf die Suche nach Neuem zu gehen und landet dann doch wieder bei den Namen, die man bereits kennt. Für etwas wirkliche Neue braucht es Vorschläge von anderer Seite, also Input. Klassich ist es das soziale Umfeld oder das Stöbern im Laden. An den Geheimtip des besten Freundes oder die Rarität ind er verstauben Plattenkiste kommt auch bis heute wenig ran. Etwas moderner kam da schon der Rundfunk daher, hier hörte man neues oder altes Unbekanntes, ausgewählt von Redakteuren, die wiederum etwas davon verstanden.
So wurde das Wissen der Freunde und des lokalen Händlers ersetzt.

Die letzten paar Generationen haben sich auf diese Weise mit musikalischen Inspirationen versorgt, das Prinzip ist aber auch bei anderen Medien wie Filme oder Bücher das gleiche. Nun kam kam aber das Internet. Dazu muss man natürlich angemerkt werden, dass wir nicht aus reiner Technik-Manie zum PC abgewandert sind, wir werden regelrecht dazu getrieben.

Hörfunk und Fernsehen versinkt zusehenst in den stinklangweiligen Einheitsbrei. Auf allen Frequenzen dudeln die Charts rauf und runter, der Spartensender hat sich nicht wirklich durchsetzen können. Und im Fernsehen herrscht das Diktat der Quote, die Folgen sind bekannt.
Nun gibt es also im Netz die Vielzahl an Nischen und mit Angeboten wie Last.FM oder Pandora Dienste, die diese Nischen bündeln. All dies bring uns die halb erstickte Variation wieder. Mal dies, mal das, ach das ist ja auch ganz nett und der Track war so richtig fett.

Du gutes altes Radio, wo bist du nur gewesen? Im Alpenland will man schreien, aber da gibt es wirklich eine letzte Bastion. Der ORF füllt seine vierte Frequenz mit einem Angebot FM4, das Vielfalt bietet, ohne dem in Verkaufszahlen ausgedrückten Massengeschmack zu folgen. Einen Pool gibt es auch hier, das heißt eine bestimmte Grundmenge an Musikstücken, die immer wieder gespielt werden. Angereichert wird dieser mit allerlei Innovativem aus der Welt der Musik. Deshalb schließt das Interview mit dem Ritter Stiksel von Last.FM auch mit seinem Statement, dass der "in Europa einmaliger" Sender gerade deshalb nicht in Gefahr ist. "Nur weiter so!"

http://www.last.fm
http://www.pandora.com/
http://fm4.orf.at

Freitag, 20. Juli 2007

Was für Spots sind in Europa umstritten?

Natürlich gibt es auch hier in Europa hitzige Köpfe, die sich mit anstößiger Werbung beschäftigen. Es gibt ja keine einfachere Art ein bißchen Aufmerksamkeit in das Hinterbänklerleben eines Politikers zu bringen, als die Fahne der Empörung rauszuhalten. Die auf der niemals endenden Suche nach dem nächsten Skandal befindlichen Medien nehmen ja auch nahezu alles auf. Schuld sind aber leider auch wir, denn auf diese Weise ist sind Auflage, Quote oder Klicks garantiert.

Das hier aber über definitiv heißere Eisen geredet wird zeigt folgendes Beispiel:


Ja, dass ist eine ganze Ecke anstößiger als die Trojan-Werbung, aber der Hauptgrund der Aufregung ist natürlich, dass es sich hier um ein Spot der europäischen Filmförderung handelt. Da die nun mal von einem gewissen Staatenbund finanziert wird, ist der Vorwurf natürlich: Wir drücken brav unsere Steuern an die ab und die machen damit was? Werbung für Pornografie! Aus welcher Ecke der Protest ist auch nicht schwer zu erraten, zum einenmit den Briten die EU-Skeptikern vom Dienst und zum anderen natürlich die größten Katholiken weit und breit, die Polen.

Dabei hatte sich doch die EU so was tolles einfallen lassen und sich einen eigenen Kanal auf YouTube geschaffen, um die bislang unerreichten noch nicht ausreichend europäisierten Jugend zu erreichen, die ja bekanntlich immer mehr die traditionellen Medien den Rücken kehren. Wie auch an anderer Stelle zu sehen, betreibt die EU massiv PR, um die europäische Idee in den Köpfen der Bürger zu verankern. Das Werbevideo für das europäische Kino stellt aber einen Ausreißer da, für gewöhnlich lassen sich nicht über 3 Millionen Nutzer gewinnen, sich über Vorzüge der Europäischen Einigung aufklären zu lassen. Vielleicht sollten sie es ruhig weiter mit einer Brise Humor versuchen, auch wenn sie damit nicht bei allen ankommen.

Mittwoch, 18. Juli 2007

Nicht alle Networks zeigen Schweine

Entweder eine sehr gelungene PR-Kampagne oder der Einfluss der Kirchen auf das US-Fernsehen ist größer als man meinen mag. Jedenfalls haben die Sender FOX und CBS die Ausstrahlung eines Kondom-Werbespots des Herstellers Trojan verweigert. FOX begründete dies dadurch, dass der Spot die Botschaft verbreite, Kondome würden Schwangerschaften verhindern, während CBS ihn schlicht für unangebracht hielt. Die Sender ABC und NBC hatten aber keine Hemmung, sondern zeigten die Werbung.
Dem Hersteller Trojan hat diese Posse jedenfalls mehr Aufmerksamkeit eingebracht, als sie bei einer einfachen Ausstrahlung je erhalten hätten. Die Zugriffszahlen auf den Spot über die üblichen Internet-Plattformen und auf die Homepage des Herstellers schossen in die Höhe. Skandalös muss der sein, wird man nun wohl denken, aber wenn man sich auf YouTube das Werk betrachtet, weiß man wirklich nicht was die geritten hat. Mal davon abgesehen, dass die Werbung für Kondome unbedenklich bzw. sogar äußerst wünschenswert ist (auch wenn oder eben gerade da sie Schwangerschaften verhindern), dieser Spot ist einfach nur harmlos. Eine Bar voller Schweinen, die erst nach dem Gang zum Automaten zu Männern werden? Also bitte!



Quelle: Serienjunkies

Freitag, 22. Juni 2007

Der nächste große Wurf

Die beiden Herren scheinen die Innovation im Blut zu haben. Gleich zwei Internet Anwendungen, die besonders bei jungen Menschen einen regelrechten Kultstatus entwickelten, gehen auf ihr Konto. Die Rede ist von dem Dänen Janus Friis und dem Schweden Niklas Zennström, die Köpfe hinter Kaaza, als auch Skype. Kaaza war eine Filesharing Software, das den mit Klagen bombardierten Vorgänger Napster beerbte und meistgenutzte Plattform der Raubkopierer wurde. Die Musikindustrie ließ sich dass nicht lange gefallen und klagte gegen Kaaza ebenfalls auf Unterlassung, was zur Einstellung führte. Angeblich soll Janus Friis bis heute die USA meiden, wegen der noch ausstehenden Millionen-Dollar Prozeße.
Die beiden Informatiker setzten sich aber wieder zusammen und setzten zu einem neuen Coup: Skype. Diese Software war in sofern nichts neues, da man mit ihr übers Internet telefonieren kann. Doch konnte man für internationale Gespräche das Internet im Zielland nicht verlaßen, was eine ganze Menge an Geld spart. Der Basisdienst im Internet blieb aber kostenlos, weshalb diese Kombination Skype die Internet-Messaging Marktführer wie ICQ oder MSN angreift, aber auch den traditionellen Telefonanbietern große Sorgen macht.
Die beide Herren aus Skandinavien machte es vor allem stinkreich. Ebay kaufte Skype für gerade mal 1,9 Mrd. $, bei guten Geschäftsverlauf wird es noch mal 1,5 Mrd. $ obendrauf geben.
Nun gut, jetzt hatten sie Zeit um die nächste Branche zu nerven, nämlich die Fernsehanbieter. Sie entwickelten die Software Joost, mit der man über ein P2P-Protokoll Fernsehsendungen empfangen kann. Derzeit befindet sie sich in der Beta-Testphase, wobei jeder Tester werden kann, der von einem anderen Tester eingeladen wird.
Auf diese Weise bin ich nun in die Ehre gekommen, Joost vorab testen zu dürfen. Einleitend fällt erstmal dass modische Design auf, alles ist funktional gehalten, die Bedienelemente sind in den Bildschirm dezent eingearbeitet. Die Qualität der Videos variiert, wenn es mal hängt scheint der Ton Vorrecht zu habe, nur das Bild hängt dann kurzzeitig, was das Schauen bedeutend angenehmer gestaltet. Der Codec dabei ist das immer mehr um sich greifende H.264, dass eine gute Qualität zu noch geringeren Datenraten garantiert. Joost arbeitet mit P2P-Technik. Es gibt also nicht eine zentralen Server, sondern es herrscht ein Geben und Nehmen der Nutzern untereinander, wie es bei den Filesharing-Plattformen bislang der Fall war. Dass hat einerseits zur Folge, dass einerseitsbei die Upload-Bandbreite ausgelastet wird, als auch dass bei der Beta-Version alle häufig angefragten Inhalte exzellent laufen, die unbeliebteren dagegen weniger gut.
Wo wir bei den Inhalten wären, denn so überzeugend die Technik auch sein mag, der Erfolg hängt mit Sicherheit am was und nicht am wie. Da ist Joost auf Neuland unterwegs, weil es mit legalen Angeboten gefüllt werden soll, die mit Werbeeinblendungen finanziert werden. Damit stehen sie also nicht direkt in Konkurrenz zu den Fernsehsendern, die können sich für eine vergütete Verbreitung via Joost entscheiden, sondern zu den Plattformanbietern wie Kabel, Satellit oder IP-Tv. Wenn sich also die Inhalteanbieter entscheiden sollten, neben den bisherigen Übertragungsmethoden Joost zu nutzen, warum sollen sich dann die Zuschauer noch teure gebühren bezahlen, den Breitbandanschluss haben die meisten ohnehin.
Zudem gibt es bei Joost wiederum keinen festen Programmablauf, sondern man kann zwischen den Sendungen aussuchen, wie in einer digitalen Videothek. Außerdem besteht die Möglichkeit interaktiv am Geschehen teilzuhaben, die Nutzer können Sendungen bewerten, nebenher chatten und Nachrichten untereinander austauschen. Insofern stellen sie auch eine Alternative zu Youtube und Konsorten, wobei diese angesichts von Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen auf lange Sicht gesehen wieder zu reinen Hobbyfilmchen-Portalen degradiert werden. Joost geht da von Anfang an den Weg, mit der Unterhaltungsindustrie nicht gegen sie. Dass zeigt sich allein am Fall Viacom: Mit Joost wird ein Vorvertrag eingegangen, Youtube wird auf Millionen verklagt (und über Nacht kriegen die es hin, alle South Park-Folgen und andere Viacom-Inhalte von ihrer Plattform verschwinden zu lassen).
Das Programmangebot in der Beta-Phase ist bislang noch dürftig, Inhalte mit Niveau muss man eher lange suchen, das Trashige dominiert bislang. So gibt es neben Mtv (auf dem natürlich keinerlei Musik zu sehen ist) eine Reihe an Musikkanälen, Sportkanälen und weiteren Spartenkanälen. Positiv hervorzuheben kann man den Sender IndieFlix Premier Hits, auf dem eine Reihe an Independent Filmen zu sehen ist. (Sehr empfehlenswert ist hier der Kurzfilm Fields of Murdan, der sich mit dem Thema Hoffnung und Träume in der Kinderprostitution Asiens auseinandersetzt) Auf der Seite TvJoost ist eine Liste aufgetaucht, auf der man einen Eindruck gewinnen kann, welche Sender in Zukunft Joost zuf finden werden sein. Aus Deutschland soll ProSieben dabei sein, was angesichts dem jungen Publikum des Senders und der stetig abnehmenden Fernsehnutzung der Jugend auch nicht verwunderlich ist. Manchmal muss man halt den Trog zu ihnen bringen, wenn sie nicht mehr selbst zum Trog kommen...
Ja, das Joost-Prinzip könnte funktionieren: Die Qualität passt und es werden die interaktiven Elemente integriert, die es braucht um die Internetgeneration anzusprechen. Eine werbefinanzierte Alternative zu den bisherigen Plattformen, die nicht das Urheberrecht tritt, bis es in aller Härte zurückschlägt. Dadurch kann es sich etablieren und zu einem Standart werden. Will es aber wirklich mal die bisherigen Übertragungswege angreifen, braucht es richtige Inhalte. Die Fernsehsender rüsten sich im Moment zwar auf Joost ein, doch bislang noch zur Zweitvermarktung. Dass kann auf lange Sicht nicht reichen, aber wenn sich der Erfolg einstellt, wird sicher noch mehr kommen. Es scheint aber sicher: Janus Friis und Niklas Zennström werden mit Sicherheit noch reicher.


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Ich kann selbst Einladungen für Joost verschicken, Interesse? Anfragen mit Namen, Vornamen und gültger email an: hotze09-faeetasia@yahoo.de

Mittwoch, 20. Juni 2007

Sterbende werden zur TV-Zielgruppe erklärt. Kein Witz! Angesichts von 830 000 Verstorbenen im letzten Jahr, ist dass nicht wirklich verwunderlich, doch für die junge Generation ist es schwer vorstellbar, dass jemand der auf sein Lebensende zugeht, sich nun auch noch im Fernsehen mit dem Tod befassen will.
Es gibt aber einige Investoren, die dies glauben. Denn nun wurde der Start eines Spartenkanals namens EosTV angekündigt, der via Astra und Webstream sich mit dem Thema Tod und Bestattung auseinandersetzten soll. Mit im Boot ist der Bestatter-Verband, der Kanal soll auch in die Internetauftritten seiner Mitglieder integriert werden. EosTV soll mit Nachrufen finanziert werden, die Angehörige für Verstorbene buchen können. Auch sollen sich Programm fenster mit dem Thema Vorsorge befassen, was Platz für Werbung entsprechender Anbieter schafft.
Das sich die private Fernsehbranche nun doch mal an die Altersgruppen jenseits der ominösen Grenze von 49 richtet, ist ja lobenswert, für die Werbeindustrie ist nahezu ausschließlich die Altersgruppe 14-49 von Interesse. Das es nun das Thema Tod ist, was sie ansprechen soll, ist merkwürdig, aber nachvollziehbar. Schließlich ist der Grund, dass sich die Werbebranche und damit auch das private Fernsehen nicht für die älteren Generationen interessiert, ist ja nicht das keine Kaufkraft von ihnen ausgeht, sondern dass die Kaufgewohnheiten bis zu den magischen 50 Jahren ausgeprägt sein sollen. Einfacher gesagt, die kaufen immer das Gleiche und deshalb ist Werbung nahezu verschwendetes Geld.
Aber die Vorstellung von alten Leuten, die den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen, Dokumentationen über besonders schöne Friedhöfe gucken und während der Werbung schauen, ob nicht jemandes Bekanntes verstorben ist, befremdlich ist das schon. Wäre da nicht ein Spartenkanal mit Soaps aus dem Altenheim und Rückblicken auf die gute alte Zeit nicht mal eine schönere Variante, vor allem wirklich lebensfroher?